Die von Wilhelm Conrad Röntgen entdeckte und nach ihm benannte Röntgenstrahlung bedeutete unbestritten eine Revolution in der medizinischen Diagnostik. Das trifft vor allem auf die Zahnmedizin zu, denn ohne bildgebende Verfahren wären viele Diagnosen und entsprechende Behandlungen bis heute kaum möglich, da mehr als zwei Drittel jedes einzelnen Zahnes durch das Zahnfleisch verborgen bleiben.
Bekannt ist aber auch, dass Röntgenstrahlen unter Umständen gefährlich für die Gesundheit sein können, wenn keine Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Deshalb stellen sich viele Patientinnen und Patienten beim Anblick des Röntgengeräts dieselbe Frage: Ist das wirklich nötig? Und wie oft muss das sein? Eine pauschale Antwort gibt es nicht, denn die Häufigkeit von Zahnröntgenaufnahmen hängt von mehreren individuellen Faktoren ab. Unser Beitrag möchte die wichtigsten Informationen zu diesem Thema zusammenfassen.
Was wird durch Röntgenbilder sichtbar gemacht?
Bei einer normalen klinischen Untersuchung kann der Zahnarzt nur beurteilen, was an der Oberfläche sichtbar und mit der Sonde tastbar ist. Röntgenaufnahmen hingegen zeigen, was darunter liegt: Karies zwischen den Zähnen, Entzündungen an den Wurzelspitzen, Knochenabbau durch Parodontitis, verborgene Zysten, nicht durchgebrochene Weisheitszähne oder Probleme im Bereich von Zahnwurzeln und Kiefer. All das bleibt ohne Röntgen unsichtbar - und damit oft unbehandelt, bis es zu echten und oft schweren Beschwerden kommt. Dann ist der Schaden meist deutlich größer und die Behandlung aufwendiger.
Wie oft sollte geröntgt werden?
Diese Frage muss in jedem Fall individuell beantwortet werden, denn die Röntgenfrequenz richtet sich nach dem jeweiligen Risikoprofil des Patienten. Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) sowie internationale Fachorganisationen empfehlen deshalb eine risikoadaptierte Vorgehensweise.
Bei geringem Kariesrisiko
Bei Patienten mit guter Mundhygiene, geringer Kariesvorgeschichte und regelmäßigen Vorsorgebesuchen sind Bissflügelaufnahmen alle zwei bis drei Jahre in der Regel ausreichend.
Bei erhöhtem Kariesrisiko
Bei Patienten mit trockener Mundschleimhaut, häufiger zuckerhaltiger Ernährung, Zahnspangen oder einer Vorgeschichte mit vielen Füllungen können jährliche Aufnahmen sinnvoll sein.
Kinder und Jugendliche
Sie werden ebenfalls risikoadaptiert geröntgt. Da sich das Gebiss im Wechsel befindet und die Zahnschmelzschicht noch dünner ist, kann Karies rasch fortschreiten. Auch hier richtet sich die Häufigkeit nach dem individuellen Befund.
Für Erwachsene ohne besondere Auffälligkeiten
Hier gilt in vielen Praxen ein Intervall von zwei Jahren für die klassischen Zwischenraumaufnahmen. Eine Panoramaaufnahme, die das gesamte Gebiss sowie den Kiefer in einem Bild zeigt, wird dagegen seltener angefertigt - meist alle fünf bis acht Jahre oder bei einem konkreten Anlass.
Ist die Strahlenbelastung ein Problem?
Die Strahlenbelastung ist die häufigste Sorge der Patienten, und das ist durchaus verständlich. Die gute Nachricht: Die Strahlendosis moderner digitaler Zahnröntgengeräte ist extrem gering. Eine einzelne Bissflügelaufnahme entspricht in etwa der Strahlendosis, der man bei einem kurzen Flug oder einem Sonnentag im Gebirge ausgesetzt ist. Zum Vergleich: Die natürliche Hintergrundstrahlung, der jeder Mensch täglich ausgesetzt ist, übersteigt die Dosis einer einzelnen Zahnröntgenaufnahme bei weitem.
Durch digitale Röntgentechnik konnte die Strahlenbelastung gegenüber früheren Filmaufnahmen nochmals um bis zu 80 Prozent reduziert werden. Zusätzlich schützt die Bleischürze, die Patienten bei der Aufnahme erhalten, empfindliche Körperbereiche - insbesondere Schilddrüse und Keimdrüsen.
In der Schwangerschaft wird Röntgen nach Möglichkeit verschoben, es sei denn, es besteht ein akuter medizinischer Notfall. Dann können gezielte Aufnahmen mit entsprechendem Schutz und modernem Gerät auch in der Schwangerschaft verantwortet werden.
Röntgenbilder sind Teil der Vorsorge - nicht der Kontrolle
Röntgenaufnahmen dienen dazu, Probleme frühzeitig zu erkennen, bevor diese große Schmerzen verursachen und die Behandlung aufwendig und teuer wird. Eine im Anfangsstadium erkannte Karies lässt sich oft mit einer kleinen Füllung versorgen. Wird sie erst bei Schmerzen entdeckt, ist sie in der Regel weit fortgeschritten, sodass häufig eine Wurzelbehandlung oder gar eine Extraktion erfolgen muss. Das Röntgen ist damit ein klassisches Instrument der Prävention.
Fazit: So oft wie nötig, so wenig wie möglich
Wie oft geröntgt wird, entscheidet nicht ein starrer Zeitplan, sondern der individuelle Gesundheitszustand des Patienten. Wer regelmäßig zur Kontrolle kommt, gute Mundhygiene betreibt und kein erhöhtes Kariesrisiko hat, wird seltener geröntgt als jemand mit komplexen Befunden. Der Zahnarzt trifft diese Entscheidung auf Basis der aktuellen Befunde - immer mit dem Ziel, die bestmögliche Diagnose bei geringstmöglicher Strahlenbelastung zu erreichen.
Wenn Sie Fragen zu Ihrer persönlichen Röntgenfrequenz haben, sprechen Sie uns gerne an. Wir erklären Ihnen transparent, warum wir welche Aufnahmen empfehlen - denn informierte Patienten sind gesündere Patienten.
